Eine Krebserkrankung kann das Leben von Betroffenen und Angehörigen in seinen Grundfesten erschüttern. Wie kann man diese Krise bewältigen? Und vor allem: wie kann man als Angehörige/r helfen, diese Zeit durchzustehen?


Mit solchen Fragen beschäftigt sich die moderne PSYCHOONKOLOGIE.


Was ist eigentlich PSYCHOONKOLOGIE:

Die PSYCHOONKOLOGIE befasst sich nach Sellschopp et al. (2002) „mit der wissenschaftlich fundierten BERATUNG und BEHANDLUNG von Krebspatienten und deren Angehörigen in den verschiedenen Krankheitsphasen, und zwar in der Akutversorgung, Nachsorge, in Prävention und Rehabilitation. Ihre Ziele sind die Unterstützung der Krankheitsverarbeitung, die Stabilisierung der Lebensqualität, und gegebenenfalls eine Verbesserung der Überlebensprognose.“  

Vorrangiges Ziel der PSYCHOONKOLOGIE ist die Verbesserung der psychosozialen Unterstützung der an Krebs Erkrankten und ihrer Angehörigen in allen Stadien der Behandlung und der Nachsorge.


Die PSYCHOONKOLOGIE unterstützt die Betroffenen bei Fragen wie:

  • wie bringe ich das meinem Ehepartner und meiner Familie bei?
  • was soll ich den Arbeitskollegen sagen?
  • ob Krebs ansteckend ist?
  • ob ich es schaffe, die vom Arzt angeratene Chemotherapie und Strahlentherapie durchzustehen?
  • muss ich auch operiert werden?
  • vor dem Verlust der körperlichen Kontrolle und dem Verlust der Selbständigkeit („mein Schicksal liegt in der Hand des Arztes“)?
  • wie komme ich mit den Nebenwirkungen zurecht?
  • soll ich mir eine Perücke besorgen?
  • ob ich sterben werde?
  • warum ich an Krebs erkrankt bin? Ich habe immer gesund gelebt?
  • ob ich die Narbe/n ansehen soll (z.B.: Brustamputation)?
  • bei Fragen, ob Mistel, Vollwertkost, Heilfasten etc. hilft?
  • wie ich dem Arzt sagen soll, dass ich keine Chemotherapie mehr will?
  • bei Aufklärung und Informationsvermittlung


Was sind die wichtigsten PSYCHODIAGNOSTISCHEN Schritte? 

  • Psychische Vorerkrankungen 
  • Belastungsfaktoren 
  • Soziale Ressourcen 
  • Reaktionen auf die Krankheit: akute Belastungsreaktionen und Krisen, posttraumatische Belastungsstörung, individuelle Verarbeitungsstrategien
  • Subjektive Krankheitstheorien 
  • Individuelle Problemanalyse 
  • Therapieplanung 
  • Psychologische Interventionen 



PSYCHOONKOLOGISCHE BEHANDLUNGSMASSNAHMEN

Was ist der Unterschied zwischen „CURATIVE“ und „PALLIATIVE“ Behandlungsmaßnahmen? 

Unter „Curative Massnahmen“ versteht man Behandlungsmethoden wie Chemotherapie oder Bestrahlungen, die auf „Heilung der Krebserkrankung“ abzielen. Hingegen zielt der „Palliative Behandlungsansatz“ nicht mehr auf Heilung ab, sondern ist eine lebensverlängernde Maßnahme mit dem Ziel der bestmöglichen Lebensqualität (z.B.: „möglichst keine Schmerzen“). 


Wie entsteht eigentlich KREBS?

Trotz umfangreicher und intensiver Forschung sind die Ursachen maligner neoplastischer Prozesse, also Krebs, bis heute nur zu einem kleinen Teil bekannt. Nach dem heutigen Wissensstand muss meist, wenn von Krebsentstehung gesprochen wird, von einer multifaktoriellen Genese (Entstehung) ausgegangen werden, bei der

  • Umwelteinflüsse (Strahlen, Viren, Karzinogene), 
  • psychosoziale Faktoren (Stress), 
  • immunologische, endokrine und genetische Faktoren auf unbekannte Weise interaktiv oder kumulierend wirken. 

Alleinige psychosoziale Faktoren (z.B.: Mobbing, Scheidung, Todesfall etc.) als Ursache für Krebs wurden laut aktueller Forschung nicht bestätigt! 


Was sind die wesentlichen physischen, psychischen und sozialen Belastungen, die mit der Diagnose und der Behandlung einhergehen? 

  • Todesdrohung: Die Diagnose „Krebs“ wird immer noch als gleichbedeutend mit Tod und Sterbenmüssen assoziiert, quasi als Todesurteil. 

  • Verletzung der körperlichen Unversehrtheit: Im Regelfall empfindet der Gesunde ein Gefühl der körperlichen und psychischen Unversehrtheit. Der Gesunde denkt im Normalfall nicht daran, dass der Organismus einmal nicht funktionieren könnte. 

  • Autonomieverlust: Das Gefühl der Selbstbestimmtheit über das eigene Schicksal ist gänzlich erschüttert und verlorengegangen. 

  • Verlust von Aktivitäten: Gewohntes kann nicht mehr oder nur mehr teilweise verrichtet werden.

  • Soziale Isolierung, Stigmatisierungsangst: Veränderung gewohnter sozialer Beziehungen aufgrund veränderter Reaktionen des Kranken seiner Umwelt gegenüber und umgekehrt. Häufig subtile Formen sozialer Distanzierung innerhalb des relevanten sozialen Umfeldes. 

  • Bedrohung der sozialen Identität und des Selbstwertgefühls


Was sind die wichtigsten Phasen in der Krankheitsverarbeitung?

Es handelt sich hier um ein 4-Stadien–Modell, das der Krisenforscher A. Cullberg (1978) erarbeitet hat:

  • Die initiale Schockphase: sie stellt einen Ausnahmezustand dar, in dem die Wirklichkeit kaum wahrgenommen werden kann. In dieser Zeit besteht eine eingeschränkte Merkfähigkeit, woran besonders zu denken ist, wenn wichtige Informationen vermittelt werden sollen, z.B.: bezüglich Aufklärung über die Diagnose und das weitere Vorgehen. Diese Phase hängt auch ab von der Art der Traumatisierung, sowie Krankheit-/ Behandlungs-/Beziehungserfahrungen. 

  • Die als besonders schmerzhaft erlebte Reaktionsphase (Symptome der Erkrankung, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Fatigue (pathologische Müdigkeit), Angst, Depression) folgt auf die unvermeidliche innere Konfrontation mit der Realität und spiegelt die verbundenen Gefühle wider (Widerstandsfähigkeit – Resilienz). 

  • Der Übergang zur Bearbeitungsphase ist sehr anfällig für Verzögerungen auf dem Weg zum inneren Gleichgewicht (Subjektive Krankheitstheorien, Vorhandensein von Ressourcen, soziales Netz, welche Konfliktverarbeitungsformen haben sich in früheren Krisensituation bewährt, berufliche und finanzielle Sicherheit, etc.). 

  • Ziel des inneren Prozesses, trauernd Abschied zu nehmen, besteht darin, eine Neuorientierung zu ermöglichen – mit veränderten Sinnfindungen und neuen Zielvorstellungen