Neuropsychologie unterstützt Menschen mit neurologischen Erkrankungen dabei, ihren Alltag besser zu bewältigen.


Die KLINISCHE NEUROPSYCHOLOGIE ist ein SPEZIALBEREICH der KLINISCHEN PSYCHOLOGIE. Dieser Teilbereich der Psychologie befasst sich mit den Auswirkungen von Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns auf das Erleben und Verhalten in Forschung und Praxis (Dick et al., 1996).


KLINISCHE NEUROPSYCHOLOGIE kommt zur Anwendung,

  • wenn ich mir keine Namen mehr merken kann!
  • wenn ich die Brille/Geldbörse/Rechnung verlege!
  • wenn ich keinen Überblick mehr über finanzielle Belastungen habe!
  • wenn ich vergesse, den Herd und das Bügeleisen auszuschalten!
  • wenn ich den Schlüssel verlege!
  • wenn ich in den Keller gehe und nicht weiß, was ich dort holen wollte!
  • wenn ich einem Gespräch nicht mehr folgen kann!
  • wenn ich mein geparktes Auto nicht mehr finde!
  • wenn ich mich an erlebte Alltagsereignisse nicht erinnern kann!


KLINISCHE NEUROPSYCHOLOGIE hilft abzuklären,

  • ob ich nur subjektiv das Gefühl habe, vergesslich zu sein, oder mich noch in einem normalen physiologischen Altersprozess befinde.
  • ob meine Vergesslichkeit bereits auf eine früh einsetzende Demenz zurückzuführen ist, oder auf Ängste an Demenz zu erkranken.
  • ob ich auch unter Alzheimer-Demenz leide wie meine Eltern.
  • ob ich auf Grund meiner veränderten geistigen Leistungsfähigkeit, zum Beispiel nach einem Schlaganfall wieder in den Beruf zurückkehren kann.
  • ob ich noch Autofahren soll.
  • ob ich mir noch zutrauen darf, aufgrund meines reduzierten Reaktionsvermögens mehrere Stunden auf mein Enkelkind aufzupassen.
  • ob ich meine Arbeitsanforderungen zeitlich noch festlegen kann, und in einer gewissen Zeit gewisse Aufgaben erledigen kann (z.B.: 12 Uhr soll das Essen fertig sein).



NEUROPSYCHOLOGISCHE LEISTUNGEN


Neuropsychologische Leistungen unterteilen sich in: 

  • NEUROPSYCHOLOGISCHE DIAGNOSTIK 
  • NEUROPSYCHOLOGISCHE BEHANDLUNG 


NEUROPSYCHOLOGISCHE DIAGNOSTIK: 

Mit Hilfe von Papier und Bleistift Untersuchungsverfahren, sowie vereinzelt zusätzliche computergestützte auf den Patienten abgestimmte Testverfahren können die aktuelle Leistungsfähigkeit in den Domänen Orientierung, Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, Sprache, perzeptiv-motorische sowie exekutive Fähigkeiten erfasst werden, um 

  • einerseits einen frühen Indikator für beginnende kognitive Abbauprozesse zu erheben, um die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, abbilden zu können, und andererseits eine Demenz auszuschließen. 
  • festzustellen, welche der genannten Funktionsbereiche nach einem Schlaganfall (Infarkt oder Blutung), einem Schädel-Hirn-Trauma, einer Tumorerkrankung, einem hypoxischen Hirnschaden, einer Diagnose von Multipler Sklerose, einem Parkinson, sowie nach epileptischen Anfällen, trainiert werden können. 


NEUROPSYCHOLOGISCHE BEHANDLUNG:

 1) Neuropsychologisches Hirnleistungstraining 

Auf Basis einer ausführlichen Diagnostik werden zur Förderung, Wiederherstellung sowie Kompensation beeinträchtigter Hirnleistungen Trainingseinheiten in den folgenden Bereichen angeboten: 


Orientierung:
zur Person, zur Zeit, zum Ort und zur Situation 

Aufmerksamkeit:
Rund 80% der neurologischen Patienten leiden unter Aufmerksamkeitsstörungen, die sich nicht nur negativ auf das Alltagsleben auswirken, sondern auch die neurologische Rehabilitation behindern (Kasten, 2007). Um genau zu verstehen, was man unter Aufmerksamkeit versteht, soll ein Fallbeispiel dienen: 

 Ein 49 jähriger Patient mähte den Rasen vor seinem Haus. Als er dabei jedoch in die Nähe des Rosenbeetes kam, ließ er den Rasenmäher mit laufendem Motor stehen, und begann Rosen zu schneiden. Weder mähte er den Rasen weiter, noch stellte er die Rosen in eine Vase, da er plötzlich seinen Sohn und einen Nachbarn sah und zu ihnen ging – keine der begonnenen Handlung nahm der Patient wieder auf (Beispiel von Kasten, 2007). 

Aufmerksamkeit kann laut dem Diagnostischen Manual (DSM-5) in vier Domänen unterteilt werden:

  • Reaktion: wie schnell kommt die Information im Gehirn an, z.B.: mit dem Auto stehen bleiben, wenn die Ampel auf „Rot“ schaltet. 
  • Selektive Aufmerksamkeit: Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können 
  • Geteilte Aufmerksamkeit: z.B.: Straßenverkehr; Telefonieren und Fernsehen gleichzeitig) 
  • Daueraufmerksamkeit: längerfristig seine Aufmerksamkeit auf eine Sache konzentrieren – z.B.: gedanklich sich in dem Maße auf einen Text konzentrieren, dass man beinahe das Umsteigen im Zug vergessen würde; das Zurechtfinden in unserer komplexen lärmbesetzten Umwelt) 


Lernen und Gedächtnis:
Gedächtnisstörungen stellen im Alltag ein enormes Handicap dar. Nach Angabe von Rak (2002) liegen bei 36% bis 70% aller neurologischer Patienten Gedächtnisstörungen vor. Um genau zu verstehen, was man unter Gedächtnisstörungen wie auch Gedächtnisdefiziten versteht, kann ein Fallbeispiel angeführt werden: 

Ein Mann war in seinem frühen Leben Polizeibeamter gewesen. Nach einer Hirnblutung Anfang 40 hatte er völlig die Fähigkeit verloren, sich aktuelle Informationen zu merken. Unter anderem vergaß er, in welcher Stadt er wohnte, was er von Beruf war, und ob er verheiratet war oder nicht (Kasten, 2007).


Visuelle Exploration:
Explorationstrainings werden vor allem bei Gesichtsfeldeinschränkungen (Hemianopsie) sowie visuellen Vernachlässigungen (visueller Neglect) gemacht. Patienten sollen lernen, mit gezielten Strategien eine systematische Exploration zu erlernen, um sich wieder im Alltag zurechtfinden zu können. Ebenso kann man mit gewissen Fingerführungen beim Lesen, sowie Blickbewegungen bei ruhiger Kopfhaltung, lernen, seine Beeinträchtigungen auszugleichen bzw. zu kompensieren. 


Raumwahrnehmung und Raumverarbeitung:
Nach Bodenburg, Kawski und Popp (2000) weisen mehr als 50% der Schlaganfall-Patienten Beeinträchtigungen in der Raumwahrnehmung auf. Man unterscheidet: 

Visuelle Raumwahrnehmung: Winkel, Lage, Abstands- und Positionsschätzung z.B.: Entfernung zu Türe abschätzen 

Räumlich-konstruktive Funktionen: praktische Zusammensetzung von Einzelteilen (z.B.: Koffer packen, Tisch decken, Kasten zusammenstellen etc.) 


Exekutive Funktionen:
Der Mensch plant ständig Handlungen; unser Gehirn weiß im Voraus schon, wie unser Handlungsergebnis ausfallen soll. Beispiele sind: Auswahl an Kleidungsstücken am frühen Morgen, Kinobesuch oder Vorbereitung einer Urlaubsreise nach Italien. Exekutive Kontrolle bedeutet die Überwachung beim Ausführen einer Handlung. 


2) Kognitives (geistiges) Training bei Demenzerkrankten 
Beim Training mit Demenzerkrankten muss berücksichtigt werden, dass die Schwierigkeit der Aufgabenstellung den Fähigkeiten des einzelnen Patienten angepasst wird. Übungen müssen daher im selben Maße schwerer werden, wie sich die Fähigkeiten des Betroffenen verbessern. Dieses Training fördert und verbessert den Erhalt geistiger Fähigkeiten. 


3) Gedächtnistraining für Senioren
- und für all diejenigen, die am Erhalt der geistigen Fitness interessiert sind und bereits Auswirkungen im Alltag aufgrund ihrer Vergesslichkeit beobachten. 


4) Vorbereitung für verkehrspsychologische Begutachtung
Es wird ein Training angeboten, um das Reaktionsvermögen,die Beobachtungsfähigkeit, sowie die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern, Fähigkeiten, die beim Autofahren sehr wichtig sind. Dieses Training soll als Vorbereitung für eine verkehrspsychologische Untersuchung dienen, welche in Kärnten bei Bedarf im Kuratorium für Verkehrssicherheit stattfindet. Dieses Training hilft Ihnen unter anderem, Autofahren zu simulieren, um eine gewisse Sicherheit zu erlangen.